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Geomorphologische Landschaft

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Die Landschaften, die man längs der Wanderstrecke von Alptrekking entdeckt, sind sehr vielfältig und öfters ganz einfach grossartig. Der aufmerksame Wanderer ist verblüfft ob all dieser Vielfalt: warum sind manche Gegenden sehr sanft, andere viel weniger? Warum ein Bergkamm mitten im Tal? Wie wurde dieses alles gebildet?
Wir möchten dem Wanderer hier einige Grundlagen vermitteln, damit er die Bildung der geomorphologischen Hauptformen, die er auf seiner Wanderstrecke erkennen kann, besser verstehen kann. Zuerst werden wir den Einfluss der Gesteine und deren Bildung darstellen, anschliessend die Erosions- und Ablagerungsmechanismen als solche und zum Schluss den Zusammenhang zwischen der Geomorphologie und dem Menschen.

Die Gesteine und ihre Bildung
Die Berge bestehen aus Gesteinen mit unterschiedlicher Struktur und Farbe: jedes Gestein hat seinen Ursprung und seine chemische Zusammensetzung. Dies ist also ein Schlüssel zum Verständnis der Landschaftsformen!
Gewisse Gesteine bildeten sich langsam im tiefen Innern der Erde (magmatische Gesteine); sie sind dann sehr quarzhaltig, ein klares sehr hartes Mineral, das die Kristallsucher, die Strahler, bezaubert. Diese Gesteine sind sehr erosionsbeständig. Man findet sie im Mont Blanc Massif und in den Aiguilles Rouges, auf dem Gipfel des Matterhorns, der Dent Blanche, des Weisshorns, usw. (1)
Andere Gesteine wurden durch die Ansammlung und Verdichtung der Sedimente (Sedimentgestein) gebildet. In der durchquerten Region haben sich diese Sedimente in einem Ozean abgelagert, der der Bildung der Alpen voranging. Man findet sie wieder in Form von grossen Kalkplatten wie die Platte von Lé Blanche oberhalb Champex (2). Oberhalb des Sees von Emosson stehen auf diesen Gesteinsplatten Rippelmarken des Meeresbodens und
Dinosaurierspuren.
Die Bildung der Alpen begann vor 96 Millionen Jahren mit dem Zusammenstoss der europäischen und afrikanischen Platte. Stellen sie sich die dabei entstandenen Drücke vor! Das Magma- und Sedimentgestein wurde somit verwandelt (metamorphisches Gestein). Die Schiefergesteine zeigen sehr gut die mechanische Verformung der Sedimentschichten auf. Sie sind wenig stabil. zerbröckeln und können leicht zerstückelt werden; man findet solche zum Beispiel in der Combe de l’A (5).
Somit beeinflusst die Gesteinsbildung die Chemie, ihre Struktur und die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Erosion. Sehen wir nun, wie die Erosion wirkt und Formen kreiert.

Die Erosion und die Ablagerungen
Die Erosion erfolgt nicht ohne Ablagerungen: das irgendwo abgetragene Material wird anderswo verlagert. In den Alpen ist es insbesondere die Einwirkung der Gletscher, des Frostes und des Wassers, die das Material erodiert, abträgt und verlagert und dadurch die typischen Formen gestaltet.

Die Gletschereinwirkung
Alle in den Alpen sichtbaren Landschaften wurden vor mehr oder weniger langer Zeit durch die Gletscher gestaltet. Seit dem Beginn des Quartärs (vor 1,65 Millionen Jahren) erlebten die Alpen grosse Kälteperioden (die Vereisungen). DieTäler waren damals bis auf 2000 m Höhe mit Eis ausgefüllt. Man bemerkt überdies oft die U- Form der grossen Täler bis auf diese Höhe, was beweist, dass der Gletscher hier durchfloss. Warum schleift ein Gletscher so gründlich die Hänge ab? Seine Masse übt einen gewaltigen Druck auf das darunter liegende Gestein aus und und sie fliesst ab wie ein Fluss. Das dem Boden entrissene Material reibt diesen ab, poliert ihn und riefelt ihn. Die milchige Farbe der Gletscherbäche stammt vom Staub der durch die Zermahlung des Gesteins entsteht. Beim Rückzug des Gletschers erscheinen dann die vom Gletscher abgerundeten, abgeschliffenen so genannten „kräuselnden“ Gesteine. Betrachtet man sie etwas näher, kann man sogar die Riefen verfolgen, die durch einen besonders widerstandsfähigen Stein gekerbt wurden, der durch die Bewegung des Eises mitgetragen wurde. Man kann auch Ûberaushöhlungen des Gesteins, so genannte „Nabel“ beobachten. Diese werden oft gerade über einem Geländebruch gebildet: das durch sein Gewicht fortgetragene Eis hebt sich etwas vom Sockel und ermöglicht so dem unter Druck stehenden Wasser seine Erosionskraft auszuüben. Nach dem Gletscherrückzug werden diese „Nabel“ mit Seen gefüllt. Die Seen von Chésery und Lac Blanc (6) sind sprechende Beispiele.
Der Gletscher schiebt nicht nur und schleift nicht nur ab, sondern er lagert auch dieses Material ab. Ist kein Eis mehr vorhanden, so hört das Geschiebe auf und das Material lagert sich ab. So sammelt sich an der Stirn und längs des Gletschers ein echtes Geröllband jeglicher Grösse: dies sind die Moränen. Man spricht von Endmoräne, die von gegenüber gesehen, einem grossen Lächeln ähnelt und Seitenmoräne, die grosse Berggräte bildet, auf denen sich oft ein Weg hinzieht. Diese Formen kann man in der Umgebung aller Gletscher beobachten. Der Gletscher Miage (7) ist etwas Besonderes: in der Seitenmoräne ist ein See entstanden. Die erratischen Blöcke sind manchmal von den Gletschern geschobene und weit weg von ihrem Standort abgelagerte enorme Felsblöcke.Auf dem Col des Montets (8) gibt es einen solchen, der als Kletterfels benützt wird.

Die Frosteinwirkung
Längs des Wegs stehen die ausgezackten Bergspitzen öfters den von den Gletschern abgeschliffenen Hängen gegenüber. Dies ist auf die Frosteinwirkung zurückzuführen. Das Wasser versickert in einer Felsspalte und gefriert. Es gewinnt dann anVolumen und vergrössert so die Spalte, die letztendlich ganz aufgesprengt wird (Frostsprengung). Dies erfolgt auf allen Stufen: vom kleinsten Stein bis zur Felswand. Das ist beim Bergsturz von Randa (VS) 1991 geschehen. Das Abschmelzen des vereisten Bodens (Permafrost) stellt ein Problem dar: das Eis spielt keine Festigungsrolle unter den Bodenelementen mehr, die dann mehr oder weniger rasch in Bewegung geraten (Frostbodenbewegung).

Die Wassereinwirkung
In den von uns durchquerten Landschaften wird die Gegend ebenfalls stark durch das Wasser gestaltet. Je grösser die Strömung desto mehr das Wasser grobes Geröll befördern und somit durch Talebenen fliessen und/oder das Gelände erodieren kann. Die Endmoränen sind demnach oft gespalten und können von Hochwasser zu Hochwasser verschwinden (Moräne des Gletschers La Lex-Blanche) (10).
Besteht ein leichter Hang, so weiss das Wasser nicht, was für ein Weg einzuschlagen ist, und es fliesst einfach per Zufall ab; der Bach nimmt die Form eines Haarzopfs an. Der Combal-See ist ein gutes Beispiel (11).
Ist die Strömung etwas stärker, so bildet das Wasser eine Rinne und folgt einen einzigen Weg, indem es jedes Hindernis in manchmal bedeutenden Windungen überwindet. So entstehen dann die Mäander. Die Strömung erodiert den Aussenteil der Windung, während sie innen kleiner ist und zu schwere Sedimente abgelagert werden.Wird der Hang steiler, so nimmt das Wasser den kürzeren Weg und erodiert so geradlinig dieTäler, die dann die typische V-Form annehmen (zum Beispiel das Val d’Arolla (12).
Das Schmelzwasser des Frühjahrs oder das Wasser der Sommergewitter kann ungeheuere Schäden anrichten. Eine gewaltige Wassermenge stürzt in kürzester Zeit auf ein kleines Gelände. Es entstehen Muren (Schlammlawinen), die alles mit sich fortreissen. Der wassergetränkte Boden kann das Wasser nicht mehr halten und es reisst den Boden fort. Man kann diese Schäden ganz unten in der Combe de l’A und imVal d’Arolla gut beobachten (13).

Die Verbindung zwischen der Geomorphologie und dem Menschen
Die Ortsnamen widerspiegeln gut die Beziehung, die stets zwischen den Menschen und ihrer Umwelt bestanden hat: Nants und Dranses bedeuten Bach, Seigne, die Moorwiese, Bagne, eine Senke, wo sich Wasser ansammelt. Lavachey, weist auf Lawinen, Otemmas auf die Augustweiden, les Praz auf Wiese hin… Die Menschen haben die verschiedenen Gesteine, die man in der Region findet, ausgebeutet. Im Ering- und Eifischtal (Val d’Hérens und Val d’Anniviers) stellt man aus Serpentin grosse Giltsteinöfen her. Die Schieferplatten werden für die Dachdeckung benutzt und auf die Holzpfosten der Stadel und Speicher gelegt, damit die Nagetiere nicht hineingeraten können. In Macugnaga hat man Gold und im Turtmanntal Kupfer und Nickel ausgebeutet. Die gesamte Landschaft in diesen Regionen wurde auch zu wissenschaftlichen Zwecken erforscht (ab dem 18. Jahrhundert in den Arbeiten von Horace-Bénédicte de Saussure) und für den Bergsport (ab dem 19. Jhdt durch die Engländer) und den Skitourismus (20. Jhdt) genutzt. Dank den Steilhängen und den Wassermengen begann auch ab dem 20. Jhdt der Wettlauf nach der „weissen Kohle“ zur Stromerzeugung durch Wasserkraft. So wurden Dutzende von Staumauern und gewaltige unterirdische Gletscherwasser-Fassungen erstellt. Dies führte dazu, dass heutzutage die Restwasswermenge der meisten Bäche sehr gering ist.
All diese Tätigkeiten prägen die Landschaft mit diversen Grossbauten (Verkehrswege, Gebäulichkeiten, Skipisten, Starkstrommasten, Staumauern, usw.), die traditionelle Berglandwirtschaft hat es ja auch so gemacht. Zum Beispiel im Ering- und Eifischtal wurden an den Steilhängen von Generation zu Generation auf kleinen Terrassen Getreide angepflanzt. Oder es wurden kilometerlange Wasserleitungen erstellt, um mit dem Gletscherwasser die vertrockneten Talhänge zu bewässern. Einige dieser Wasserleitungen (Suone) sind heute restauriert und werden als angenehme ebene Wanderwege wie zum Beispiel die Wasserleitung von Trient (15) benutzt.Auf dem Alptrekking können sie zahlreiche Alpenlandschaften entdecken, wo die Natur und die Menschen stets friedlich neben einander lebten.

Machen sie sich also mit weit geöffneten Augen und offenem Herzen auf den Weg! Gute Wanderung!

Jeanne-Charlotte Bonnard, Pascal Tissières